

Firmament, DV-Video, 4'11'', 2001
Lache, Installation im Kunsthof Zürich, 15 x 15,5 m, 1997
1950 Geboren und aufgewachsen in Wolfenschiessen, Kanton Nidwalden
lebt und arbeitet in Zürich
Zur Ausstellung bei Elisabeth Kaufmann, 21. April bis 26. Mai 2001
"Die Wand wird selbst immateriell, zum Medium einer Tiefe erschliessenden Konstellation. Original und Kopie, Licht und Schatten, Reflexion und Projektion werden zeitweise untrennbar ..." so werden die Systemoide und die Klebe-Arbeiten von Jos Näpflin im Katalog des Nidwaldner Museum 1999 charakterisiert.
Damit spielt Jos Näpflin auch, wenn er im Galerieraum von Elisabeth Kaufmann mit einer Klebefolie-Arbeit einen Vorhang auf eine Wand zaubert. Die Reflexionen auf der Folie deuten eine brokatähnliche Materialität an. Doch hier bricht die Illusion mit der Wirklichkeit, indem sie sich zwischen neugewonnener Dreidimensionalität und ursprünglichem "Drip-painting" bewegt. Ist das, was wir zuvor als Vorhang wahrgenommen haben nicht eher von der Decke heruntertropfende Farbe?
Der Vorhang ist als Pendant zur gegenüberliegenden Wand gedacht, die durch ihre grüne Farbe und die darauf angebrachten Bilder an ein Wohnzimmer erinnert. In den Rahmen befinden sich ebenfalls Arbeiten von Jos Näpflin, die in Kleinformat auf die grossen Wandarbeiten aus Klebefolie referieren.
In dieses Ambiente fügen sich zwei voneinander abgewandte Monitore, über die der Künstler vier Kurzgeschichten erzählt. Die Erzählungen gehen in der Erinnerung zurück, bis zu den Anfängen des Künstlers. Dieses Zurückgehen wird dem Besucher auf akustisch-optische Weise nähergebracht: Nimmt doch die Überlagerung der Geschichte, die auf einem der Monitore vorwärts und auf dem anderen rückwärts läuft, das Prinzip des Erinnerns auf.
Diese Zusammenstellung wirkt rein zufällig und ist dennoch vom Künstler aufs Genaueste durchdacht, um dieses Ambiente eines Wohnzimmers zu erreichen und im Zusammenspiel mit dem real vorhandenen Raum bzw. dem Durchblick nach Aussen, Fragen nach der Wahrnehmung und Konstruktion von Wirklichkeit aufzuwerfen bzw. Berührungspunkte zwischen verschiedenen Welten herzustellen - zwischen architektonischem Raum und Gedächtnisraum, zwischen Innen und Aussen, zwischen Heute und Gestern.
Annamira Jochim
|