Elisabeth Kaufmann
 
Elisabeth Kaufmann Eran Schaerf     

Eran Schaerf (*1962)

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Migrants&Variants #1 von 1-16, Digital Foto auf Aludibond, Acrylglas versiegelt, Ed of 3, 2002


Eran Schaerfs Installationen in ihrer multikulturellen Mischung aus Einzelteilen umschreiben die Grenzen eines sozio-kulturellen Systems. Indem sie sich aus der Modewelt der Haute-Couture, ebenso wie aus dem Ramschladen oder von schaerf1.jpgder Müllhalde zusammensetzen, nehmen sie Bezug auf die sozialen Grenzbereiche einer Gesellschaft, ohne dies im Sinne einer Kritik an einem Gesellschaftssystem verstehen zu wollen. In dieser Komplexität bleiben sie dennoch nach vielen Seiten offen für verschiedene Interpretationsansätze. So geben sie ein Bild der pluralistischen Welt wieder, ohne auf erzählerische und assoziative Momente zu verzichten.( Jan Winkelmann: Eran Schaerf. Re-enactment – Bahnwärterhaus/Galerie der Stadt Esslingen, in Metropolis M. Tijdschrift over hedendaagse kunst, No. 5, Oktober 1996 Die verschiedenen Beziehungen von
Installation view, 2002

gesellschaftlichen, kulturellen und medialen Aspekten des Werks von Eran Schaerf lassen sich beispielhaft an zwei aufeinanderfolgenden Werken verdeutlichen: Endless Screen, 2001 in der Kunsthalle in Baden-Baden und im Argos in Brüssel gezeigt, und der daraus entstandenen Fotoserie Migrants & Variants. In ersterem werden Projektionen von Dias aus der englischen Modezeitschrift Line, von Textfragmenten und historischen Aufnahmen auf eine bildschirmartige Architektur geworfen. Die in Kreisen angeordneten weißen Vorhänge und die darin platzierten Projektoren bilden die Kulisse, in der und auf die projiziert wird. Die Überlagerungen der verschiedenen Projektionen werden durch die räumliche Situation weiter verdichtet. Aus diesen Verdichtungen hat Eran Schaerf wiederum einzelne Ausschnitte gewählt, die die oben erwähnte Fotoserie bilden. Die verschiedenen Fragmente aus der Mode, aus der Geschichte, von verschiedenen Orten sowie fremden Texten werden aus ihrem Kontext herausgelöst und bilden ein neues intermediales Gefüge. Diese stofflichen und inhaltlichen Gewebe von Eran Schaerf stellen Fragen nach der Entstehung von Bedeutung und deren Abhängigkeit vom jeweiligen Kontext. Dabei bedient er sich einem vorgefundenen Bild- und Textmaterial, löst Fragmente aus ihrem ursprünglichen Kontext heraus und inszeniert sie neu. Es entstehen Geschichten, die keiner linearen Struktur folgen, sondern verschiedene Erzählstränge öffnen. Der Betrachter selbst wird in die Bedeutungsfindung einbezogen. Er wird zum Spieler, der die Verbindungen zwischen den einzelnen Wirklichkeits- oder Fiktionselementen immer wieder neu zusammenstellt. Die Idee der Aufführung bzw. Wiederaufführung, der Übersetzung bzw. Umschreibung von vorgefundenem Material spinnt Eran Schaerf weiter, indem er sich inhaltlich, motivisch und formal wie in Migrants & Variants auf vorangegangene Arbeiten bezieht. Elemente seiner eigenen Werke werden somit neu ins Spiel gebracht. Fragen nach dem Grenzverlauf zwischen Wirklichkeit und Fiktion werden aufgeworfen: Können wir in einer Zeit der Bilderflut überhaupt noch unterscheiden was real und was Fiktion ist? Schiebt sich nicht das Abbild vor die physisch erlebbare Wirklichkeit? Inwiefern schenken wir einer filmisch dokumentierten Nachricht Glauben, nur weil uns das Ereignis vorgeführt wird? Mit der Bezeichnung Doku-fictions für die zur Reihe Scenario Data gehörenden Werke weist Eran Schaerf selbst auf die eigentümliche Verbindung von Dokumentation und Fiktion hin. Die „Erzählungen“ von Eran Schaerf schlüpfen in unterschiedlich mediale Formen und öffnen einen Raum zwischen &Mac226;es war einmal’ und &Mac226;morgen’ - einen Raum, in dem vertraute Zeichen, Bilder und Worte als &Mac226;Figuren’ an einer Inszenierung teilnehmen und Zwischenräume und –zeiten aufbrechen.